Iris Kleefoot erschienen in der WNOZ am 06.04.2026

18 Bahnen Richtung Rathaus: Weinheims OB-Kandidatin Alexandra Kriegel

Eine Runde Minigolf wird zum Porträt: Ein Nachmittag im Weinheimer „Mio“ offenbart überraschend viel über Alexandra Kriegel – ihre Haltung, ihre Energie und ihren Blick auf die Stadt.

Weinheim. Zwei Schläger, 18 Bahnen – und viele kleine Momente, die mehr verraten als jedes Wahlprogramm. Alexandra Kriegel steht auf dem Minigolfplatz „Mio“, nur wenige Schritte vom Weinheimer Rathaus entfernt. Genau hier will sie zeigen, wie sie tickt – nicht nur im Spiel, sondern im Leben. Den Ort hat sie bewusst gewählt. „Ich bin hier oft mit meiner Familie“, sagt die 55-Jährige und blickt kurz zu ihrem Mann und ihrem Sohn, die am Rand sitzen. Ein Platz, der für sie Heimat ist – und vielleicht bald ganz nah an ihrem neuen Arbeitsplatz liegen könnte.

 

Bahn 1: Der Start gelingt. Sicherer Schlag, erster Punkt. Kriegel wirkt konzentriert, ruhig, zielstrebig. „Ich will Ergebnisse erzielen – und dann am liebsten auch gewinnen“, sagt sie. Der Ehrgeiz ist da, aber ohne Verbissenheit.

 

Bahn 3: Dann der Bruch. Fünf Schläge. Der Ball will nicht ins Loch. „Ich muss wohl mehr Gas geben“, sagt sie und lacht. Die Konkurrenz versenkt den Ball mit zwei Schlägen. Verlieren? „Das ist kein Gesichtsverlust“, sagt sie. „Wenn man aus Rückschlägen etwas lernt, kann man gar nicht verlieren.“ Ein Satz, der hängen bleibt – auch über das Spiel hinaus.

Sie liebt Herausforderungen, traut sich viel zu. „Ich gebe immer alles“, sagt sie. Man glaubt ihr. Auch, wenn sie über den Wahlkampf spricht: darüber, wie sie zunächst gezögert hat, als die Anfrage der SPD Weinheim kam. Wie sie dann aber die Chance gesehen hat, der Stadt, die seit über 20 Jahren ihre Heimat ist, „etwas zurückzugeben“ und Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die hier leben.

 

Alexandra Kriegel

 

Alter: 55 Jahre. Geboren 1970 in Freising (Oberbayern), aufgewachsen in Hannover.

 

Wohnort: Weinheim (seit 2004).

 

Familienstand: verheiratet, Mutter von zwei Söhnen, 18 und 20 Jahre.

 

Beruf: Leiterin des Eigenbetriebs Stadtraumservice Mannheim (über 1.000 Beschäftigte).

 

Ausbildung: Studium der Biologie in Konstanz, Aufbaustudien in Umweltwissenschaften und Betriebswirtschaft.

 

Beruflicher Werdegang: 1999–2003: Büroleiterin des SPD-Europaabgeordneten Rolf Linkohr; 2003–2013: MVV Energie AG (unter anderem Energiepolitik, Assistenz Aufsichtsratsvorsitzender); danach: Stadt Mannheim (Verwaltungsmodernisierung, Haushaltskonsolidierung); seit sechs Jahren: Leiterin Stadtraumservice Mannheim.

 

SPD-Mitglied seit 1997, kandidiert mit Unterstützung der Weinheimer Sozialdemokraten, aber überparteilich für die OB-Wahl am 3. Mai.

 

Wichtige Themen: solide Finanzen und Haushaltskonsolidierung, Bildungschancen, bezahlbarer Wohnraum, Mobilität, Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Sicherheit.

 

Motivation: „Ich möchte Verantwortung übernehmen für die Stadt, in der ich lebe.“

 

Lieblingsorte in Weinheim: Schlosspark und Waidsee sowie mit den Söhnen auf Sportplätzen.

 

Ziel: „Ich trete an, um zu gewinnen.“

 

Bahn 5: „Die mag ich am wenigsten von allen“, gesteht die OB-Kandidatin und blickt auf das Netz, in dem der Ball landen soll. Hier ist Kraft gefragt, Präzision – und beides will nicht recht zusammenfinden. Sieben Anläufe braucht sie. Ein Rückschlag, selbst wenn die Konkurrenz sich auch nicht besser schlägt. Ein kurzer Moment des Zögerns, dann ein Schulterzucken. Nicht aufgeben, sondern weitermachen. Das hat Alexandra Kriegel im Sport gelernt: Früher spielte sie Volleyball, versteht sich als Teamplayerin – in jeder Lebenslage. Heute hält sie sich mit Tennis beim TC Grün-Weiß Weinheim und beim Radfahren fit.

 

Bahn 8: Der Ball rollt haarscharf vorbei, will einfach nicht ins Loch. „Hajeijei!“, ein verzweifelter Ausruf. Hier blitzt sie auf, die emotionale Seite der sonst eher bedachten Erfolgsfrau. Kriegel: „Ich bin eigentlich sachlich und gelassen, aber wenn ich mal einen emotionalen Ausbruch habe, dann richtig.“

 

Bahn 9: Halbzeit. Die Redaktion liegt knapp vorn. Das Spiel bleibt offen.

 

Bahn 10: Der „Vulkan“ bringt die Wende. Ein Schlag, ein Treffer. Während die Konkurrentin schwächelt, kommt Kriegel zurück ins Spiel. Bemerkenswert: Sie motiviert die Mitspielerin. „Einmal durchatmen“, sagt sie – und richtet den Blick auf das Schloss. „Schöner kann es doch nicht sein.“ Für einen Moment geht es nicht ums Gewinnen, sondern um Weinheim – auch wenn Weinheim nicht die Geburtsstadt ist, sondern das bayerische Freising. „Ich fühle mich in Weinheim verwurzelt – wenn ich durch die Stadt laufe und bekannte Gesichter sehe.“ Ihre Mutter lebt bei ihr im Haus, war früher selbst Bürgermeisterin. Von ihr hat Alexandra Kriegel das Verantwortungsgefühl für die Allgemeinheit und die soziale Ader.

 

Bahn 12: Eine kleine Pause zwischen den Themen und Bahnen. Alexandra Kriegel streichelt den Golden Retriever der Gruppe davor, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Sie erzählt von ihrer Katze „Jogi“ mit markanter Maserung. Der Name ist eine humorvolle Hommage an den schwarzen Rollkragenpullover des früheren Fußball-Nationaltrainers Joachim Löw.

 

Bahn 14: Vom „Mio“ weht die Musik bis hierher. Jazz liebt Alexandra Kriegel besonders – so sehr, dass sie zwei Apfelbäume in ihrem Garten nach Ella Fitzgerald und Louis Armstrong benannt hat. Und auch selbst macht sie Musik: Seit Jahren leiht sie ihre Altstimme dem Pop- und Jazzchor Weinheim.

 

Bahn 15: Bevor die Sonne untergeht, müssen noch Fotos gemacht werden. Kriegel folgt den Anweisungen, lässt sich ins rechte Licht rücken. Auf die fertigen Bilder wirft sie nur einen kurzen Blick. Ist sie eitel? „Eigentlich nicht. Ich habe natürlich ein Bedürfnis, gut auszusehen, will aber lieber authentisch sein als schön.“ Und außerdem: Auf keinen Fall will sie einen Sonderstatus als einzige Frau im Bewerberfeld. „Ich bin nicht angetreten, um als Frau gewählt zu werden“, sagt sie, „sondern wegen meiner Kompetenzen.“ Und doch: „Wenn ich junge Frauen inspiriere, dann beflügelt mich das.“

 

Bahn 16: Sohn Luis (18) kommt vorbei, an Krücken, nach einer Verletzung beim Fußball. Er weiß: „Wenn meine Mutter mal in Fahrt kommt, ist sie kaum aufzuhalten.“ Wie zum Beweis spielt sie – nicht den sicheren Weg über die Bande, sondern über die Diagonale. Mutig. „Es muss nicht immer der gerade Weg sein“, sagt sie.

 

Bahn 18: Der Sieg ist zum Greifen nah. Jetzt heißt es, Nerven bewahren. Kein Problem für die Mutter zweier Söhne. Drei Versuche, dann ist der Ball eingelocht. Sie jubelt – ehrlich, unverstellt. „High Five“ für die Gewinnerin.

 

Und die Wahl? „Ein gutes Omen“, sagt sie und lacht. „Am Ende ein klarer Sieg – nach einem spannenden Spiel.“