OB Kandidatin mit eigener Wirtschaftsstrategie für Weinheim

Alexandra Kriegel zu Stadtentwicklung, Tourismusförderung und Sicherheit

Der bekannte und vielbeschäftigte Weinheimer Architekt und ehemalige Stadtrat Constantin Görtz hatte Personen aus Bauwirtschaft und Mittelstand zu einem Meinungsaustausch mit der OB-Bewerberin eingeladen, und viele kamen. In der dicht besetzten Halle der „Bistronauten“ im ehemaligen OEG-Bahnhof referierte Alexandra Kriegel zunächst 45 Minuten über ihre Vorstellungen zu städtebaulichen Themen, zur Weinheimer Stadtentwicklung unter Berücksichtigung der aktuellen städtischen Rahmenplanung. Die Wohn- und Gewerbegebietsentwicklung sprach sie dabei ebenso an wie ihre Ideen zur Steigerung der touristischen Vermarktung Weinheims und der weiteren Bearbeitung und Umsetzung des Mobilitätsplans.

 

Zunächst gab Kriegel einen Überblick über ihren Bildungsweg als studierte Biologin mit späterem betriebswirtschaftlichen Abschluss und ihre berufliche Laufbahn als Mitarbeiterin eines Europaabgeordneten, bei den Mannheimer Verkehrs- und Versorgungsbetrieben und schließlich seit 2003 bei der Stadt Mannheim. Dabei konnte sie auf ihre leitende Funktion im Prozess der Verwaltungsmodernisierung und Haushaltskonsolidierung im Mannheimer Rathaus verweisen. 

Als Weinheimer Bürgerin kam sie aus eigener Erfahrung auf die hohe Lebensqualität ihrer Heimatstadt zu sprechen und freute sich darüber, wie gut aufgestellt die große Kreisstadt in vielen Bereichen ist. Die von der Stadt in einigen Straßen aufgestellten Laubsammler hat sie als Projektidee in ihren Verantwortungsbereich nach Mannheim transferiert. Und die Tatsache, dass Weinheim als bildungsaktive Kommune stark ist wie keine Stadt vergleichbarer Größe, macht Kriegel zum Ausgangs- und Anknüpfungspunkt für ihre neue lokale Wirtschaftsstrategie.

Bildung und Wirtschaft seien die beiden Felder, die in Weinheim besonders gut bestellt sind. Schon heute werde deutlich, dass die starken beruflichen Schulen des Kreises einen signifikanten Beitrag dazu leisten, dass in einigen Sparten der Fachkräftemangel in Weinheim geringer sei als anderswo. Trotzdem fordert Kriegel eine noch engere Verknüpfung, eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und örtlichem Mittelstand. Die Förderung der lokalen Wirtschaft und zugleich die Verbesserung der Ausbildungs- und Berufschancen der Jugendlichen seien Synergien, die mit der bestehenden Infrastruktur wie Job-Central-Integration-Central und der Weinheimer Bildungskette zu beider Nutzen durch eine übergeordnete Stadtstrategie noch stärker wirksam gemacht werden müssten. Die neue wirtschaftspolitische Strategie des Rhein-Neckar-Kreises zeige, dass es hier ein großes Potential für eine gewinnbringende gemeinsame Strategie gebe.

 

Bei der städtebaulichen Entwicklung setzt Kriegel auf den in vorbildlicher Bürgerbeteiligung aus der Zukunftswerkstatt hervorgegangenen Städtebaulichen Rahmenplan. Ihn gelte es, konsequent zu realisieren. Der darin enthaltene Mobilitätsplan, der sich gerade in der online-Befragung befinde, beinhalte die gleichen Schwerpunkte wie die, die in Mannheim von ihr verantwortet würden: Stärkung der Fuß- und Radverkehre, und zwar durch einen gesunden Mix aller Verkehrsarten, ohne ein ideologisches „Entweder-Oder“.

 

Auch bei der Frage nach der weiteren Gewerbe- und Wohnungsgebietsentwicklung schlug Alexandra Kriegel moderate Töne an. Das Brachflächenmonitoring müsse in den nächsten Jahren forciert werden, nicht nur in der Kernstadt, sondern auch in den Ortsteilen. Die Ansiedlung großvolumiger Logistikunternehmen sieht die Bewerberin jedenfalls ebenso skeptisch wie ein Gewerbegebiet entlang der Autobahn. Ein Gewerbe-Campus am Nordrand der Mannheimer Straße kann sie sich jedoch gut vorstellen, wenn der Branchenmix stimmt, also innovative Bertriebe mit hoher Arbeitsplatzdichte beispielsweise in den Wachstumssegmenten Elektro- oder Medizintechnologie angeworben werden könnten.

Beim Wohnungsbau setzt Kriegel auf die Möglichkeiten des sog. Bauturbos. Hiermit werde den Kommunen ein praktikables Instrument an die Hand gegeben, um weniger bürokratisch als bisher Innenbereichsverdichtungen zu fördern. Diese neuen Beschleunigungspfade müssten die Gemeinden nutzen und die Experimentierklausel als Chance verstehen. Sie begrüßte, dass Weinheim mit der Änderung der Hauptsatzung bereits die richtigen Weichen gestellt habe.

Als eigene Akteurin beim Wohnungsbau sieht Alexandra Kriegel die Stadt jedoch nicht. Neben den starken ansässigen Wohnungsbaugenossenschaften könnte Weinheim nur mit einem Bestand oder Bau von etwa 1.000 Wohneinheiten einen steuerungsrelevanten Beitrag auf dem lokalen Wohnungsmarkt leisten. Eine eigene städtische Wohnungsbaugesellschaft sei damit finanziell überfordert.

Wichtige Akzente will die Kandidaten im Falle ihrer Wahl im Mai bei Tourismus und Stadtmarketing setzen. Der immer weiter zunehmende Fahrradtourismus bringe positive Effekte für Gastronomie und Einzelhandel, müsse aber mehr gefördert werden. Auch deshalb fordert Kriegel eine deutliche Aufwertung der Weinheimer Stadteingänge. Hier müssten – auch in den Ortsteilen und unter Einbindung der privaten Grundstückseigentümer – hochwertige Entrées entwickelt werden. 

Die lokale Kulturszene solle gestärkt werden, auch durch eine Verbesserung der Veranstaltungshinweise. Hier brachte Kriegel die Mannheimer Stimmgabeln als Flächen für hochwertige Plakatstandorte ins Spiel. Bei der Unterstützung junger ortsansässiger Künstler will sie auf die Erfahrungen der Heimattage aufbauen. Dabei helfe auch, Leerstände im Einzelhandel „zu bespielen“ anstatt verklebte Wände und Schaufenster ertragen zu müssen.

 

An den ausführlichen Vortrag der Kandidatin schloss sich eine muntere Fragerunde an, in der Kriegel die Gelegenheit hatte, einige getroffene Aussagen zu intensivieren und zu ergänzen. Dabei kam der ins Stocken geratene Glasfaserausbau ebenso zur Sprache wie die Frage, wie das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum durch gestalterische Maßnahmen und die Intensivierung der Beleuchtung verbessert werden könne. Dies konnte die Bewerberin durch den Verweis auf Sicherheitsaudits transparent darstellen, die in ihrem Verantwortungsbereich in Mannheim bei solchen Fragestellungen durchgeführt werden.